Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes mellitus) kommt bei etwa sechs von 100 schwangeren Frauen vor und ist damit relativ häufig. Unerkannt birgt er ernsthafte Risiken für Mutter und Kind. Umso wichtiger sind eine gute Schwangerenvorsorge und eine rasche Behandlung.
Schwangerschaftsdiabetes: versteckte Gefahr
Meist tritt Gestationsdiabetes in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf. Der Grund für die – in der Regel vorübergehende – Stoffwechselstörung ist die hormonelle Umstellung, die dazu führt, dass die Körperzellen weniger gut auf Insulin ansprechen. Das Tückische daran: Bei vielen Betroffenen verläuft die Erkrankung beschwerdefrei oder nur mit milden Symptomen. Hinweise können etwa vermehrtes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, zu viel Fruchtwasser sowie wiederkehrende Scheiden- und Harnwegsinfektionen sein.
Risikofaktoren für das Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes:
- Übergewicht
- Alter über 35 Jahre
- Familiäre Vorbelastung (v. a. Eltern und Geschwister)
- Gestationsdiabetes in einer vorherigen Schwangerschaft
- Hohes Geburtsgewicht bei vorherigen Schwangerschaften (über 4 kg)
- Übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
Gestationsdiabetes birgt Risiken für Mutter und Kind
Die Folgen von unbehandeltem Schwangerschaftsdiabetes sind für Mutter und Kind nicht unerheblich. Das gilt auch für Erkrankungsfälle, die symptomfrei verlaufen. So kann der dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel zu verschiedenen akuten und langfristigen Risiken führen.
Risiken für die Mutter:
- Bluthochdruck
- Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung)
- Infektionen der Harnwege
- Geburtsverletzungen beziehungsweise Kaiserschnitt
- Erhöhtes Risiko von Typ-2-Diabetes im Laufe der nächsten zehn Jahre
- Erhöhtes Risiko von Gestationsdiabetes bei neuerlicher Schwangerschaft
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Erhöhtes Risiko für (postpartale) Depression
Risiken für das Kind:
- Gestörte Plazentaentwicklung/Mangelernährung
- Vorzeitige Wehen/Frühgeburt
- Reifungsstörungen der Organe (v. a. Lunge und Leber)
- Komplikationen bei der Geburt (v. a. Schulterdystokie, das Steckenbleiben der Schultern im Geburtskanal)
- Zu hohes Geburtsgewicht (Makrosomie)
- Unterzuckerung nach der Geburt
- Erhöhtes Risiko für Anpassungsstörungen nach der Geburt
- Erhöhtes Risiko für Neugeborenengelbsucht
- Erhöhtes Risiko für Übergewicht beziehungsweise Typ-2-Diabetes im Laufe des Lebens
Gut zu wissen: Es ist belegt, dass Stillen das spätere Diabetesrisiko bei Mutter und Kind deutlich reduziert.
Früherkennung ist wesentlich
Um die Risiken von Gestationsdiabetes zu minimieren, ist es wichtig, diesen frühzeitig zu erkennen. So findet in Deutschland im Rahmen der Schwangerenvorsorge seit 2012 ein zweistufiges Screening statt. Dabei macht man zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche zunächst einen Vortest, bei dem die Schwangere eine Zuckerlösung (50 g Glukose) trinkt und nach einer Stunde der Blutzuckerwert ermittelt wird. Fällt dieser zu hoch aus, führt man einen Zuckerbelastungstest (oGTT) mit 75 g Glukose durch. Bei bestehenden Risikofaktoren kann die Abklärung auch früher erfolgen.
Wie wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt?
Die Behandlung von Gestationsdiabetes besteht aus einer Ernährungsumstellung sowie regelmäßiger Bewegung. Außerdem muss mehrmals täglich der Blutzucker gemessen werden, um die Werte im Blick zu behalten. Häufig reichen diese Maßnahmen schon aus, um den Blutzuckerspiegel dauerhaft zu senken. Ist das nicht der Fall, kommt eine Insulintherapie zum Einsatz. Die werdende Mutter und das Ungeborene werden engmaschig betreut. Nach der Geburt pendeln sich die Glukosewerte in der Regel von selbst wieder ein. Gewissheit liefert ein neuerlicher Zuckerbelastungstest in den Wochen nach der Entbindung.
