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Marianne Porsche-Rohrer Apothekerin, Heilpraktikerin und Autorin

Wer sie im Garten duldet, riskiert verächtliche Blicke der Nachbarn. Wer sich in der Naturheilkunde auskennt, der weiß jedoch, dass die Brennnessel seit Jahrhunderten ein vielseitiges und wertvolles Heilkraut ist, dem man am besten einen Ehrenplatz im Garten einräumen sollte. Wir kennen zwei Arten, die Große und die Kleine Brennnessel. Beide sind gleichwertig in ihrer Wirksamkeit. In der Kräuterheilkunde wird zum Trocknen meist die große Art verwendet. Für den Gebrauch in der Küche ist die kleine Art besser, weil sie zarter ist.
Als Inhaltsstoffe findet man Carotinoide, Vitamine, Gerbstoffe und Mineralstoffe, besonders Kalium, Calcium und Kieselsäure. Dadurch ist die Wirkung entzündungshemmend und entwässernd und dient zur Behandlung von Arthritis, Gicht und Rheuma, zur Blutreinigung, als Frühjahrskur und bei unreiner Haut.
1 bis 2 Teelöffel getrocknetes Kraut pro Tasse werden mit kochendem Wasser übergossen. Nicht länger als 10 Minuten ziehen lassen! Diese Zeit reicht aus, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu extrahieren. So gehen nur kleine Mengen Gerbstoffe in den Tee. Lässt man den Tee zu lange ziehen, könnten die Gerbstoffe Magenbeschwerden verursachen.
Eine Teekur mit 3 bis 4 Tassen pro Tag sollte etwa 6 Wochen dauern. Brennnesselblätter können auch als Tropfen, Kapseln oder als Frischpflanzensaft genommen werden.
Als entgiftende Frühjahrskur regt die Brennnessel den gesamten Stoffwechsel an. Die volle Wirksamkeit wird nur dann erreicht, wenn zusätzlich zum Tee reichlich Wasser getrunken wird, damit die Durchspülung in Gang kommt. Eine leichte, vollwertige Ernährung, Bewegung und ausreichender Schlaf ergänzen die Kur sehr effektiv.
Auch in der Küche, sowohl in der bodenständigen wie in der exquisiten, hat die junge Brennnessel einen festen Platz als pürierte Rahmsuppe oder Spinat, im Kartoffelgratin oder in der Gemüselasagne. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ganz junge Pflanzen haben noch keine Brennhaare und können daher zusammen mit Kresse, Löwenzahn, Tomaten fein geschnittener Zwiebel, Olivenöl und Balsamicoessig als Salat zubereitet werden. Wer so isst, benötigt keine Vitamintabletten.

Brennnessel
(Urtica dioica)

Der alte Josef sitzt im Sessel
Und trinkt den Tee aus der Brennnessel.
Es plagt ihn Rheuma und die Gicht.
Nein, zu dem Doktor will er nicht,
Denn der hat neulich ihm geraten:
„Verzichte auf den Schweinebraten!
Trink‘ weder Schnaps, noch Bier, noch Wein!
Geh früh ins Bett und zwar allein!
Verzichte auch auf deine Pfeife,
Damit die Gicht dich nicht mehr kneife!“
Die Resi hat ihm Tee gekocht.
Den hat der Josef gleich gemocht.
Was früher für ihn Unkraut war,
Das hilft ihm heut ganz wunderbar.

Aus dem Buch:
„Gesundheitstipps von Onkel Fips“ –
Ein lyrisches Lexikon der Haus- und Naturheilmittel
Autorin: Marianne Porsche-Rohrer
ISBN: 978-3-00-030908-3
Ausgabe: Taschenbuch
Seitenzahl: 124, Sprache: deutsch
Zu beziehen über den Buchhandel
oder die Verfasserin:
porsche-rohrer.praxis@t-online.de