Sie ist quälend, betrifft Menschen jeden Alters und macht im schlimmsten Fall sogar krank – Einsamkeit. Was tun, wenn das Gefühl innerer Leere erbarmungslos zuschlägt? In diesem Artikel finden Sie Antworten!
Was versteht man unter Einsamkeit?
Einsamkeit ist ein durch und durch subjektives Gefühl und nicht mit tatsächlichem Alleinsein zu verwechseln. Vielmehr geht es darum, dass die gewünschten sozialen Beziehungen nicht mit den tatsächlichen übereinstimmen. Das reicht von weniger sozialen Kontakten, als man eigentlich möchte, bis hin zum Gefühl, dass es an engen emotionalen Bindungen fehlt. Eine zeitweise Einsamkeit kennen wir wohl alle. Zum Problem wird sie, wenn sie chronisch wird. Im schlimmsten Fall macht sie sogar krank!
Dabei ist festzuhalten, dass Einsamkeit kein Problem Einzelner ist. So weist eine EU-weite Erhebung zum Thema (EU Loneliness Survey 2022) darauf hin, dass 13 % aller Befragten in den letzten vier Wochen immer oder öfter an Einsamkeit litten. 35 % fühlten sich manchmal einsam. Eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung mit 2.532 jungen Menschen zwischen 16 und 30 Jahren aus dem Jahr 2024 zeigt zudem auf, dass sich knapp 45 % aller Befragten einsam fühlen – zehn Prozent stark, 35 % im moderaten Rahmen. Damit wird deutlich: Einsamkeit ist in unserer Gesellschaft kein Randphänomen und betrifft alle Altersgruppen gleichermaßen.
Was verursacht Einsamkeit?
Es gibt eine Vielzahl von Umständen und Faktoren, die das Gefühl von Einsamkeit begünstigen können. Solche sind etwa einschneidende Lebensereignisse wie Arbeitslosigkeit, der Verlust geliebter Menschen oder ein Umzug. Aber auch Krankheiten, Unfälle sowie der Eintritt ins Rentenalter können zu Einsamkeit führen. Darüber hinaus gelten eine eingeschränkte Mobilität, das Alter, Armut, Migration und soziale Isolation als Risikofaktoren. Nicht zuletzt begünstigen Erfahrungen wie Ausgrenzung und Mobbing das Gefühl der Einsamkeit ebenso wie hormonelle Umbrüche (etwa in der Pubertät, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren) sowie allgemeine Abweichungen von geltenden „Normen“ (etwa durch Behinderung).
Einsamkeit kann krank machen
Einsamkeit macht sich körperlich und seelisch bemerkbar und kann auf Dauer sogar die Gesundheit gefährden. So zeigen sich etwa körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Verspannungen, Magen-Darm-Probleme, ein Gefühl von Unruhe sowie Herzrasen oder Schwindel. Chronische Einsamkeit führt zudem zu einem Anstieg des Stresshormons Cortisol, was sich negativ auf unseren Stoffwechsel, das Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System auswirkt. Das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen steigt dadurch an. Darüber hinaus können gesundheitsschädigende Verhaltensweisen – etwa eine schlechte Ernährungsweise, übermäßiger Zigaretten- und Alkoholgenuss oder Drogenkonsum – zunehmen.
Auch die seelische Gesundheit leidet unter chronischer Einsamkeit. Innere Leere und Verzweiflung begleiten viele Betroffene. Da das Gefühl sozialer Wertschätzung ausbleibt, nimmt der Selbstwert langfristig Schaden. Es kommt zu vermehrtem Rückzug und zu Ängsten. Auch Depressionen können sich einstellen. Dass Betroffene ihren Schmerz mit Alkohol oder Drogen betäuben, ist keine Seltenheit. Dementsprechend erhöht sich das Suchtrisiko. Nicht zuletzt gilt Einsamkeit als Risikofaktor für Suizidalität.
Gesundheitliche Folgen von Einsamkeit im Überblick:
- Schlafstörungen
- Kopfschmerzen und Verspannungen
- Magen-Darm-Beschwerden
- Herzrasen und Schwindel
- Chronischer Stress
- Negativer Einfluss auf Immunsystem, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System
- Psychische Erkrankungen (Angststörungen, Depressionen …)
- Erhöhte Suizidalität
- Gesundheitsschädigende Verhaltensweisen (schlechte Ernährung, erhöhter Alkohol- und Zigarettenkonsum …)
- Erhöhte Suchtgefahr
Wie lässt sich Einsamkeit überwinden?
Einsamkeit ist häufig mit Scham verbunden, weshalb Betroffene mitunter lange warten, um aktiv zu werden und sich Unterstützung zu suchen. Dabei reichen schon kleine Schritte, um den Leidensdruck zu mildern und das Gefühl innerer Leere langfristig zu überwinden.
Fünf Wege aus der Einsamkeit möchten wir Ihnen abschließend gerne vorstellen:
# 1: Mischen Sie sich unter Menschen
Sich von Zeit zu Zeit aus seinem Schneckenhaus zu trauen, wirkt dem Gefühl von Einsamkeit entgegen. Ob ein Stück Kuchen im Café, ein Museumsbesuch oder ein Spaziergang im Park – mischen Sie sich unter Menschen! Hier ergeben sich viele Möglichkeiten, mit anderen ins Gespräch zu kommen.
# 2: Vernetzen Sie sich in der Nachbarschaft
Gute Kontakte in der Nachbarschaft lassen Einsamkeit gar nicht erst aufkommen. Von Smalltalk zwischendurch über den Besuch von Gemeinde- oder Stadtteilzentren bis hin zu gemeinsamen Aktionen wie Festen oder Freizeitunternehmungen – hier bietet sich eine Fülle von Möglichkeiten.
# 3: Strecken Sie die Fühler nach Gleichgesinnten aus
Ob Verein, Stammtisch oder ein Kurs an der Volkshochschule – gemeinsame Hobbys verbinden und beugen Einsamkeit effektiv vor. Nutzen Sie gerne auch neue Medien, um sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen.
# 4: Engagieren Sie sich ehrenamtlich
Ehrenämter und Vereinstätigkeiten sind ein echter Geheimtipp gegen Einsamkeit. Von Lesepatenschaften und Besuchsdiensten über kulturelle Tätigkeiten bis hin zu Umwelt- oder Tierschutz – hier ist für jeden etwas Passendes dabei.
# 5: Scheuen Sie sich nicht, externe Hilfe in Anspruch zu nehmen
Manchmal fallen die ersten Schritte auf dem Weg gegen Einsamkeit schwer. Scheuen Sie sich nicht, bei Bedarf auf externe Hilfe zurückzugreifen. Neben Psychotherapie, Beratung oder Coaching bieten sich auch Selbsthilfegruppen an. Letztere schaffen zudem Möglichkeiten, sich – ganz nach dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ – mit Gleichgesinnten zu vernetzen.
