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Marianne Porsche-Rohrer Apothekerin, Heilpraktikerin und Autorin

Auf Schutthalden und an Wegrändern wuchert der Beinwell mit seinen wunderschönen violetten Blüten. Niemand kommt jedoch auf die Idee, sich davon einen Strauß zu pflücken, denn die ganze Pflanze ist sehr dicht mit borstigen Haaren übersät, wodurch die Berührung äußerst unangenehm ist.
Obwohl sich also die Pflanze beim ersten Anfühlen als recht hautfeindlich zeigt, ist sie in Wirklichkeit ein ganz ausgezeichnetes Heilmittel. Die gepulverte Wurzel wird äußerlich in Form von Umschlägen und Salben als entzündungshemmendes Mittel bei Gicht, rheumatischen Beschwerden, Drüsenschwellungen und Furunkeln angewandt.
In wildwachsenden Pflanzen sind die giftigen Pyrolizidin-Alkaloide enthalten, welche sich bei einer industriellen Verarbeitung oder durch spezielle Züchtungen entfernen lassen. Daher ist es sinnvoll, Beinwell-Präparate in der Apotheke zu kaufen, anstatt selbst gesammelte Wurzeln zu verarbeiten.
In der Homöopathie ist der Beinwell unter seinem lateinischen Namen Symphytum gebräuchlich und dient, als Tropfen oder Globuli genommen, zur Behandlung von Gelenkbeschwerden, schlecht heilenden Wunden und zur Beschleunigung der Heilung von Knochenbrüchen.
Die genannten Anwendungsgebiete galten schon in der Antike. Bereits in der mittelalterlichen Klostermedizin wusste man aber auch schon über die giftigen Begleitstoffe Bescheid. Hildegard von Bingen schreibt: „Die innere Anwendung von Beinwell bringt die gesamte Ordnung der Körpersäfte durcheinander, aber auf die Haut aufgetragen, heilt er Geschwüre der Glieder.“

Beinwell
(Symphytum officinale)

Des werten Gatten Schmerz im Knie
Bedrückte auch die Rosmarie,
Denn seit er diese Schmerzen hatte,
War er nicht mehr der liebe Gatte.
Nein, er war bös‘ und ungerecht,
Und deshalb ging‘s der Rosi schlecht.
Sie bracht‘ Tabletten ihm nach Haus.
Die wollt‘ er nicht, es war ein Graus.
Sie brachte ihm Diclofenac.
Er schrie: „Das Apothekerpack
Vergiftet mir den ganzen Magen.
Ich kann nichts Chemisches vertragen.“
Die Rosi ist geduldig, lieb,
Bemüht sich weiter, denn es blieb
Ja noch der Kräutersepp im Wald.
Den wollt‘ sie fragen, möglichst bald,
Wie er den Schmerz im Knie kuriere
Und mit den Kräutern therapiere.
Er sprach zur Rosi: „Liebes Kind,
Pflück‘ ganz viel Beinwell recht geschwind!
Der blüht bei mir gleich vor dem Haus,
Und koche einen Brei daraus.
Als Umschlag musst aufs Knie ihn legen.
Das ist gewiss ein wahrer Segen.“
So ward das Knie sehr bald geheilt.
Dem Kräutersepp sei Lob erteilt!

Aus dem Buch:
„Mit Malventee am Kanapee –
Ein lyrisches Heilpflanzenlexikon für alle Lebenslagen“
Autorin: Marianne Porsche-Rohrer
ISBN: 978-3-00-030908-3
Ausgabe: Taschenbuch
Seitenzahl: 118, Sprache: deutsch
Zu beziehen über den Buchhandel
oder die Verfasserin:
porsche-rohrer.praxis@t-online.de