Bald singen wir wieder das schöne alte Lied „O Tannenbaum…“. So mancher eifrige Sänger nimmt dabei gar nicht zur Kenntnis, dass er vor einer Fichte steht. Das spielt auch in der Weihnachtszeit, abgesehen von der Haltbarkeit im Raum, keine so große Rolle. Bei beiden Baumarten beeindruckt die Menschen seit jeher das ganzjährige Grün als Zeichen der Beständigkeit und auch der feine Duft des ätherischen Öles, das in den Nadeln beider Baumarten enthalten ist und bei Zimmertemperatur einen feinen Duft verströmt.
Botanisch-forstwirtschaftlich gibt es bemerkenswerte Unterschiede. Die Fichte wird wegen ihres schnellen Wachstums auch als Brotbaum bezeichnet. Die Menschen sind froh, wenn sie bei dieser Baumart, schneller als bei anderen, Bau- und Brennholz ernten können. Allerdings bietet das flache Wurzelsystem der Fichte in unserer Zeit des Klimawandels mit zunehmend starken Winden wenig Standfestigkeit. Das konnte man in den vergangenen Jahren immer wieder auf sehr eindrucksvolle Weise beobachten. Da ist eine Tanne mit ihrer Pfahlwurzel wesentlich standfester und robuster. In Bezug auf den Befall mit dem Bokenkäfer ist nur die Fichte ein Problembaum. Es ist allerdings nicht ganz einfach, Tannenbestände zu erziehen, denn die zarten jungen Tannenbäumchen sind für das Wild ein Leckerbissen. Die spitzen Fichtennadeln hingegen schmecken dem Wild weniger.
In der Apotheke sind die ätherischen Öle beider Baumarten gebräuchlich und werden annähernd gleichwer-tig eingesetzt und zwar in Einreibungen bei Bronchitis, Gelenk- und Muskelschmerzen, in Inhalationen und Saunaaufgussmitteln, in Franzbranntwein und Bädern.
Vereinzelt findet man auch noch alte Rezepturen für Hustensäfte und Hustenbonbons.

Tanne (Abies alba)

Die Tanne liebt der Förster sehr,
Weil sie so standhaft ist bei Winden.
Sie anzupflanzen, das ist schwer,
Weil Tiere sie so schmackhaft finden.
Zum Frühstück so ein kleines Tännchen,
Froh schnabuliert ein Hasenmännchen.

Die Tannenzweige sind ein Traum,
Adventlich Räume auszuschmücken.
Das Warten auf den Weihnachtsbaum
Kann Tag für Tag uns neu beglücken.
Zimtsterne, Mandarinen, Kerzen
Stimmen uns friedlich, froh im Herzen.

Das Harz, als Balsam angerührt,
Um Rheumaschmerzen zu vertreiben,
Hat früher oft dazu geführt,
Dass Menschen ganz beweglich bleiben.
Durch täglich gutes Einmassieren,
Ließ Opas Knie sich schnell kurieren.

Auch bei Erkältung ist die Tanne
Sehr gut erprobt im Hustensaft.
Und bei der hüstelnden Susanne
Zeigte sie ihre ganze Kraft.
Der Förster Schmitt hat ganz besonnen
Mit Hustensaft ihr Herz gewonnen.

Aus dem Buch;
„Der Doktor Wald hilft Jung und Alt –
Ein lyrisches Lexikon der reichen Heilwirkungen des Waldes“
Autorin: Marianne Porsche-Rohrer
ISBN: 978-3-00-057528-0
Ausgabe: Taschenbuch
Seitenzahl: 130, Sprache: deutsch
Zu beziehen über den Buchhandel
oder die Verfasserin:
porsche-rohrer.praxis@t-online.de